Radtour Sri Lanka 2004

Im Winter 2004 bin ich 5 Wochen durch das wunderschöne und faszinierend exotische Sri Lanka geradelt. Um mich vorzubereiten habe ich lange auch im Internet nach geeigneten Quellen gesucht und eigentlich wenig wirklich zuverlässiges und ergiebiges gefunden und deshalb gezweifelt, ob Sri Lanka geeignet ist, es mit dem Rad zu bereisen. Deshalb wollte ich schon lange diesen Bericht erstellen.

Vielleicht liegt es an den schrecklichen Ereignissen in diesem Winter, dass es so lange gedauert hat, bis ich die Sache wieder angegangen bin. Ursprünglich hatte ich 7 Wochen geplant. In der 5.Woche brach aber dann das Grauen über dieses wundervolle Land herein. Der Tsunami verwüstete Süd und Ostküste und riss zehntausende mit in den Tod. Alles in allem hatte ich großes Glück, denn die anderen 3 Wochen wollte ich an der Südküste verbringen. Ein paar Tage später und ich wäre mitten in die Katastrophe geradelt. Ich selbst war aber noch im Gebirge um Ella als der Tsunami die Küste und die Menschen dort traf. Auch wenn ich selbst nie direkt von der Katastrophe betroffen war, ist es für mich schockierend, wie das Schicksal unvermittelt, blind und erbarmungslos auf dieses liebenswerte Volk eingeschlagen hat.

Rad fahren in Sri Lanka

Ich denke, Sri Lanka ist eigentlich sehr gut für eine Radreise geeignet. Die Straßen sind gut ausgebaut, fast immer geteert und in relativ guten Zustand. Die Orientierung fällt leicht, da die Richtungen meistens auch auf Englisch ausgeschildert sind. Die Einheimischen sprechen oft sehr gut englisch und sind sehr hilfsbereit, so dass man jederzeit nach dem Weg fragen kann. Den Schlaglöchern kann man als Radfahrer ja gut ausweichen. Der Verkehr in den Städten ist chaotisch, staubig und laut. Auch wer keine empfindliche Lungen hat, wird unter dem Smog, Staub und Dieselrus leiden. Gesund ist das nicht!

Unterkünfte waren kein Problem. Die Etappen waren nie länger als 80km. Ich habe mir Nachmittags aus meinen Reiseführern ein Guesthouse rausgesucht und bin es direkt angefahren. Es war immer noch etwas frei. Ich war allerdings in der Vorsaison unterwegs.

Ansonsten möchte ich bedingt Entwarnung geben: ich habe die Einheimischen als eigentlich rücksichtsvolle Verkehrsteilnehmer erlebt, wenn man sich an die lokalen Regeln anpasst: Es wird zwar bei allen möglichen Gelegenheiten gehupt. Das ist aber in der Regel als freundliches „Hallo“ oder „Achtung“ gemeint (bei uns bedeutet Hupen ja mehr „mach weg du A*%!“). Auch an das halsbrecherische Überholverhalten muss man sich erst gewöhnen (wenn man sich in die Logik hineingefühlt hat, erscheint es gar nicht mehr so suizidal). Mir scheint das Zusammenleben auf den Straßen dort eher durch „Leben und Leben lassen“ geprägt als auf Rechthaberei.

Insgesamt gilt - wie in der ganzen Welt - die goldene Regel für Radfahrer - im Zweifel immer das Recht des Schwächeren: Gehe schnell aus dem Weg!

So bin ich auch dann gut durch gekommen, wo ich dem Verkehr nicht aus dem Weg gehen konnte. Wenn es aber ging, bin ich auf Nebenstraßen gefahren und hatte dort fast keinen Verkehr, aber habe dort sehr viele nette, freundliche und neugierige Menschen getroffen. Aber auch die Hauptstraßen waren oft nicht zu stark befahren.

Elefanten

Es gibt wilde Elefanten in Sri Lanka und man muss darauf achten , wenn man mit dem Rad unterwegs ist, sich nicht Nachmittags auf Dschungelstraßen zu befinden, auf denen man auf Elefanten treffen kann. Besonders die jungen Bullen sind unberechenbar.Tagsüber und Morgens sind die Elefanten im Dschungel um zu fressen, aber nachmittags ab 16 Uhr kommen sie dann aus dem Dschungel zu den Straßen, um zu ruhen. Wenn man mit dem Auto unterwegs ist, ist das eine gute Gelegenheit wilde Elefanten zu beobachten, mit dem Fahrrad aber ...:-).

Karten und Führer

Gefahren bin ich nach der Baedecker-Reisekarte. Das war auch völlig hinreichend; außerdem hatte ich noch den Reiseführer von Lonely Planet und Reise-Know-How dabei.

Etappen



Etappe

Km

Flughafen - Negombo

10

Negombo - Kegalla

80

Kegalla - Pinawela - Kurunegalla

40

Kurunegalla -Arankale - Maho

50

Maho - Anuradhapura

60

Anuradhapura - Mihintale - Anuradhapura

30

Anuradhapura - Aukana - Dambulla

70

Dambulla - Sigiriya

20

Sigiriya - Polonaruwa

60

Polonaruwa - Nalanda

80

Nalanda - Kandy

50

Kandy - Hatton

80

Hatton - Adam's Peak/Sri Pada

30

Adam's Peak/Sri Pada - Nurawa Eliya

70

Nurawa Eliya - Badulla

60

Badulla - Ella

30

Summe

820

Reisebeschreibung und externe Links

Nach der Ankunft hatte ich mich erst ein paar Tage in Negombo akklimatisiert. Insgesamt bin ich aber mit der feuchten Hitze recht gut klar gekommen. Danach ging es auf Nebenstraßen in Richtung Kegalla. Das erste, was einem auffällt: die Menschen lächeln. Ein Blick wird mit einem sanften Lächeln erwidert. Die Menschen sind neugierig und offen und wenn man mit dem Rad über das Land fährt, ist einem die Aufmerksamkeit der Passanten sicher. 

Nach einem Stop-Over in Kegalla ging es morgens weiter zum Pinawela Elefantenwaisenhaus. Nachdem ich dort gefrühstückt und den Elefanten beim Fressen und Baden zugeschaut hatte, fuhr ich übers flache Land weiter nach Kurunegalla .

Dort habe ich natürlich den großen, weißen Buddha besichtigt. Unter den Arkaden unter dem Buddha habe ich mich zu einer singhalesischen Familie gesellt, die dort auf einer Decke gepicknickt hatte. Die Eltern aßen und unterhielten sich. Die Kinder liefen spielend herum. Die ungezwungene Atmosphäre hätte mich nie auf die Idee kommen lassen, dass ich mich gerade in einem Heiligtum befinde. So hatte ich gleich ein Sakrileg begangen: man darf einen buddhistischen Tempel NIE mit Schuhen betreten! Ging alles aber nach etwas Aufregung glimpflich für mich ab, ich durfte bleiben und hatte natürlich die Aufmerksamkeit aller. Etwas peinlich! Habe dann aber ein paar Rupien für mein Seelenheil gespendet! 

Nach ein paar gemütlichen Tagen in Kurunegala ging es weiter in Richtung zur Felsenfestung von Yapahuwa . Davor wollte ich noch einen kurzen Abstecher in Arankele machen, ein traditionsreiches Kloster, dass etwas abseits meiner Route lag . Der Umweg hat sich gelohnt. Ich habe zwar nicht viel von dem Kloster selbst gesehen, aber es war trotzdem sehr interessant. Ich wurde von einer Familie zu einer Zeremonie eingeladen. Die Familie war eine Bauernfamilie aus der Gegend. Die Familie hat den Mönchen Reis überreicht. Die Mönche setzten sich dem Alter nachgeordnet nebeneinander vor uns und wir überreichten den Mönchen, ebenfalls nach Rang geordnet den Mönchen eine Reisschüssel. Danach wurden Texte rezitiert und es entwickelte sich ein Dialog. Ich habe natürlich kein Wort verstanden. 

Trotzdem war es ein beeindruckendes Erlebnis!

Am nächsten Tag habe ich die Felsenfestung von Yapahuwa besichtigt.  Yapahuwa war um 1300 Hauptstadt. Sri Lanka musste sich seit 2000 Jahren ständig gegen Überfälle aus Südindien behaupten.  Wenn man oben auf dem Felsen steht, kann man sich auch heute noch gut vorstellen, wie der Heerführer von dort oben die  Ebene überblickt und nach dem Feind aus dem Norden Ausschau hält. Während auf dem Südindischen Subkontinent die Hinduistische  Restauration den Buddhismus fast vollständig verdrängte, ist der Buddhismus seit über 2 Jahrtausenden staatstragende Religion in Sri Lanka. Die Verteidigung gegen die indischen Invasoren, war also auch ein Kampf um kulturelle Identität. Vielleicht muss man den Tamilenkonflikt auch auf diesem Hintergrund betrachten. 

Anuradhapura war die Hauptstadt  Sri Lankas von 400 v. Chr. ab bis es nach einer südindischen Invasion 993 verlassen wurde.  Nur wenige Kilometer davon liegt  Mihintale , dort soll der König von Sri Lanka zum Buddhismus bekehrt worden sein. Das alte Anuradhapura war lange vom Dschungel überwuchert und vergessen.  

http://www.xago.org/sri-lanka/welterbe/Anuradhapura.htm

Von Anuradhapura ging es auf Seitenstraßen mit einem kurzen Abstecher am Aukana Buddha in Richtung Felsenkloster in Dambulla .  Der Aukana Buddha ist eine 13m große Buddha Statue direkt aus den Felsen geschlagen und liegt in einer schönen Klosteranlage. Sehr nette und gastfreundliche Menschen dort!

http://www.aukanabuddha.info/

Als ich in Dambulla ankam wurde mir eines klar: in Sri Lanka ist immer Regenzeit und "Regen" ist relativ und Monsun ist anders. Es schüttete wie aus Eimern!

Der Höhlentempel von Dambulla besteht aus mehreren Höhlen, die angefüllt sind von Buddha Statuen und Abbildungen aus dem Leben Buddhas.

http://www.umdiewelt.de/Asien/Indischer-Subkontinent/Sri-Lanka/Reisebericht-54/Kapitel-4.html

Unweit von Dambulla liegt wohl eine der schönsten Anlagen in Sri Lanka. Die Felsenfestung von Sigiriya wurde am Ende des 5.Jahrhunderts auf einem 200m hohen Felsen angelegt.. Kashyapa, der Erbauer dieser Festung, ermordete seinen Vater brutal und hat die Festung aus Angst vor der Rache seines Halbbruders gebaut. Die Festung wurde auch nie gestürmt. Kashyapa fiel nachdem er die Festung verlassen hat, um sich seinem Halbbruder in der Schlacht zu stellen.

http://www.saadhu.com/sigiriya/

Bevor ich mich dann wieder Richtung Süden wenden konnte, ging es bei Monsunregen weiter Richtung Osten zu der zweiten großen ehemaligen Hauptstadt im nördlichen Sri Lanka: Polonnaruwa .Dementsprechend ist meine Erinnerung an diese Ecke der Insel etwas unter Regenschleier verborgen. Aus einer Regenpause ist mir eigentlich nur die liegende, sterbende Buddha-Statue, in bleibender Erinnerung geblieben. Wenn ich mir aber heute die Bilder bei Wikipedia anschaue, gibt es dort einiges mehr zu sehen:

http://commons.wikimedia.org/wiki/Category:Polanaruwa?uselang=de

Danach ging es abseits der Touristenwege weiter. Irgendwo im Niemandsland zwischen Ginitale und Naula ging die Fahrt entlang eines gestauten Flüsschen. Rechts der Fluss zum Bersten voll mit Monsunregen; links 10m tiefer halb versunken im Schlamm und Dreck die Reisfelder und Bauernsiedlungen!

In Kandy dann wieder das volle Leben und Sonne! Kandy ist die letzte Haupstadt des singhalesischen Königreiches. Kandy liegt sehr hübsch um den Kandy Lake herum und ist vergleichsweise grün, ruhig und entspannt. Kandy liegt geschützt in dem zentralen Bergland Sri Lankas und konnte sich   vom 13 .Jh bis zur Eroberung durch die Engländer als Hauptstadt behaupten. In Kandy steht der Zahntempel mit der bedeutensten Reliquie des singhalesischen Buddhismus. Ein vorgeblicher Zahn Buddhas, der im Lauf der 2000 Jahre währenden buddhistischen Geschichte immer wieder mal gestohlen wurde, aber dann doch immer auf wundersame Weise wieder aufgetaucht ist.

In Kandy war ich noch im Botanischen Garten. Ein sehr aufschlussreiches Erlebnis! Während man in Sri Lanka durchaus Männer sieht, die aus freundschaftlicher Verbundenheit Hand in Hand gehen, ist körperliche Berührung oder Küssen von Mann und Frau in der Öffentlichkeit eher Tabu. Im Botanischen Garten scheint dieses Gesetz aber aufgehoben. Hinter jedem Busch oder Baum ein Päärchen in engster Umarmung! Kann es etwas veruchteres geben, als eine Einladung in den Botanischen Garten ....?

Südlich von Kandy werden Berge höher und es beginnt das Teeland. Wie all die anderen Touristen habe ich natürlich morgens den Adam's Peak bestiegen und den Sonnenaufgang bewundert. Von Nurawa Eliya machte ich einen Abstecher in die Horton Plains. Über Badulla erreichte ich dann über Nebenstraßen das Ende meiner Reise Ella . Ella ist ein kleines Dorf am südlichen Rand des Berglandes. Eigentlich nichts besonderes, aber man kann von hier aus ein paar nette Ausflüge machen. Eindrucksvoll sind die Ella Falls ein paar Kilometer südlich des Dorfes.