Radtour Südafrika Herbst 2007

Bildergalerien: Kapstadt, Garden Route.

Am 21.10 habe ich mich samt Fahrrad und Packtaschen auf den Weg gemacht. Abends in Frankfurt bei Schmuddelwetter in den Flieger und am nächsten morgen schon in der Frühlingssonne am Ziel. Die Kap-Region ist eigentlich das ideale Reiseziel für einen Wintersommerpause: keine Zeitverschiebung, kein Jet-Lag und keine Impfungen und ein moderates mediterranes Klima, gerade wenn es bei uns gerade mal wieder heftig nebelt und nässt!

Ich hatte lange überlegt, wo ich diesen Winter hinfahren werde. Ich hatte ein paar Wochen Urlaub aufgespart und nur eines stand für mich fest: ich werde mit dem Rad und werde allein unterwegs sein. Die Wahl ist schließlich auf die Kapregion gefallen. Ich hatte einerseits schon viele begeisterte Berichte von Freunden und Bekannten gehört, andererseits ist die Infrastruktur und Sicherheitslage so, dass eine Radtour -allein- nicht zu abenteuerlich wird. Eine Großwildsafari ist mit dem Fahrrad natürlich schlecht möglich, versteht sich von selbst, aber diese Reise hat ohnehin Lust auf mehr Afrika gemacht. Ich werden sicher wieder in dieses wunderbare aber sehr gegensätzliche Land zurück kommen und dann möchte ich auch die anderen, wilderen Teile Südafrikas erleben.

Natürlich war ich vor meiner Reise nicht sicher, ob es eine gute Idee ist, allein mit dem Fahrrad durch Südafrika zu reisen. Es gehen doch viele Berichte über Klein- aber vor allem auch Gewaltkriminalität durch die Medien.Von meiner Seite aus kann ich sagen, dass ich auf meiner Fahrt keine Probleme hatte. Auch wenn ich mit meinem Rad an diesen berüchtigten Townships vorbeigefahren bin, konnte ich keinerlei Aggression feststellen. Die Leute wahren meist freundlich und haben gegrüßt und gelacht. Andererseits habe ich nie irgendwelche Wertsachen offen getragen. Man sollte seinen Reichtum nicht zu sehr raus hängen lassen, wenn man keine Begehrlichkeiten wecken möchte -das ist entwürdigend für beide Seiten- und man muss bedenken, dass Reichtum relativ zu der Armut der Menschen dort ist! Ich bin immer morgens recht früh raus und war in der Regel am frühen Nachmittag von der Straße. Niemals! Nie, bin ich mit meinem Fahrrad nachts unterwegs. Das mache ich aber auf allen meinen Radreisen so!

Ich denke, man darf die Kriminalität und auch die Gewaltbereitschaft nicht unterschätzen darf. Südafrika ist ein Land mit extremsten Gegensätzen zwischen Arm und Reich und man muss sich entsprechend vorsichtig verhalten. Man kann aber trotzdem dort sehr gut mit dem Fahrrad reisen.

Reiseführer

Südafrika per Rad

Lonely Planet Southafrica

Übersicht

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Etappe

Km

Kapstadt - Hout Bay - Muinzenberg Simonstown

70

Simons Town - Cape Point Simons Town

50

Simons Town - Gordons Bay

60

Gordons Bay - Kleinmond

40

Kleinmond - Hermanus

40

Hermanus - Gansbaai

50

Gansbaai - Bredasdorp

80

Bredasdorp - Bonnievale

70

Bonnievale - Montagu

20

Montagu - Barrydale

60

Barrydale - Ladismith

80

Ladismith - Calitzdorp

50

Calitzdorp - Oudtshoorn

50

Swartenberg Pass - Oudtshoorn

60

Oudtshoorn - Mossel Bay

90

Mossel Bay - George

60

George Wilderness

15

Wilderness - Knysna

75

Knysna - Plettenberg Bay

30

Kapstadt - Plettenberg Bay

1050

.

Kapstadt

Da stand ich also früh morgens in der Schalterhalle des Kapstadter Flughafens mit flauem Bauchgefühl. 5 Wochen unbekanntes Südafrika warteten auf mich! Wie immer hatte ich nichts reserviert. Die erste Hürde -wie komme ich vom Flughafen zum Zentrum?- ist leicht genommen und ich bin unterwegs in einem fast vertrauenerweckenden Kleinbus. Die Fahrt von Flughafen führt durch die Cape Flats entlang von Townships und Squattercamps und eine halbe Stunde später kam ich an der ersten Station meiner Reise an.

Das Zentrum von Kapstadt (City Bowl) liegt direkt unterhalb des Tafelbergs und man kann alle Sehenswürdigkeiten dort gut zu Fuß ablaufen. Um die City Bowl erstrecken sich an der Atlantikküste die Villenviertel bis zu Camps Bay. In östlicher Richtung in den Cape Flats liegen große Townships der Schwarzen und Farbigen.

Das Stadtbild von Kapstadt hat in neuerer Zeit starke Veränderungen durchgemacht. Begonnen hat es mit der Verwüstung des District Six in den späten60iger Jahren. Die Innenstadt sollte rein-weiß sein! Noch heute wirkt dieses Gebiet entvölkert, gespenstig, ja unheimlich, als wären die Abrisskommandos erst vor kurzem abgezogen. In den 70igern wurden in der Innenstadt viele Hochhäuser hochgezogen. Ab Mitte der 80iger Jahre wurde die Waterfront in und um alte Hafenanlagen als kommerzielles und touristisches Zentrum etabliert.

Die Bevölkerung Südafrikas wird im allgemeinen in drei Bevölkerungsgruppen aufgeteilt:Schwarze, Weiße und Farbige (Coloured). Für mich überraschend war, dass in der Kap-Provinz nicht die Schwarzen die Bevölkerungsmehrheit haben, sondern die Farbigen (57%), dann folgen die Weißen mit 25% und dann erst die Schwarzen mit18%. Das sieht natürlich ganz anders aus, wenn man Südafrika als Ganzes betrachtet . 

Die weiße Bevölkerung in der Kapregion hat immerhin zu ca 40% deutschssprachige Vorfahren (ca 40%Holländer, 10% Franzosen u. 10%Briten) .

Bildergalerie Kapstadt


Zur Bildergalerie: Garden Route.

Long Street und Umgebung

Die Long Street ist 300 Jahre alt und lang! Es ist das bunte und lebendige Zentrum Kapstadts. Hier mischen sich die Kulturen und Rassen zu einem lebensfreudigen Puls und reihen sich Kaffees, Restaurants, Backpacker und kleine Shops aneinander.

In der Long Street kommen altes koloniales und modernes Kapstadt zusammen: alte zwei geschossige Bauten stehen in spannungsreichen Gegensatz zu den modernen Hochbauten der 70iger und 80iger Jahre.

Die Long Street war der ideale Ausgangspunkt für meine Streifzüge durch das Zentrum Kapstadts. In Kapstadt kann man fast alle Sehenswürdigkeiten zu Fuß erreichen und wenn man genug hat vom bunten Trubel kann man in einem der vielen Kaffees oder direkt um die Ecke im Company's Garden zur Ruhe kommen.

Ein Weißer, der zu Fuß geht! Das war für meine farbigen Mitgeher schon etwas ungewöhnlich! Im Ernst: Fußmärsche sind die Domaine der Farbigen und Schwarzen. Bin halt mit dem Pulk mitgegangen und habe mich eigentlich ganz wohl gefühlt dabei.

Tafelberg

Das Stadtbild von Kapstadt ist durch den Tafelberg geprägt. Er erhebt sich 1000 Meter über die Stadt und gibt eine eindrucksvolle Kulisse für Kapstadts Skyline ab. Wenn man möchte kann man den Berg per pedes im klassischen Alpinistenstil besteigen, ich habe allerdings die bequemere Variante mit dem Cable-Car vorgezogen.

Man kann am Tafelberg auch klettern.Der Felsen sieht aber eher brüchig aus. Immer wieder von Grasflächen und Schotter durchsetzt, kann ich mir vorstellen,dass sich der Kletterspaß deshalb in Grenzen halten kann.

Das Gestein des Tafelbergs wird durch den Table Mountain Sandstone gebildet, einer relativ harten Sandstein–Quarzit Mischung, die durch Anhebung aus dem Meer gehoben wurde aber nun schon seit einigen Millionen Jahren vor sich hin verwittert.

Fynbos

Wälder gibt es in der Kap-Region nur noch in Resten. Sie wurden früh schon für den Schiffsbau abgeholzt. Deshalb herrscht buschige Vegetation, Fynbos vor. Fynbos ist von dem holländischen Fin Bosch abgeleitet und bedeutet so viel wie feiner Busch. Fynbos bezeichnet die buschige Vegetation, die die trockenen Hänge der Kap-Region besiedeln. Viele der Pfanzenfamilien sind endemisch und viele Arten sind bei uns inzwischen als Gartenpflanzen bekannt (zum Beispiel die Geranien).

Waterfront

Die Waterfront ist integriert in die alten Hafenanlagen und kann man dort essen, shoppen, bummeln und jede Menge andere Touristen treffen. Wenn man möchte, kann man im Bräuhaus ein Weißbier mit Schweinshaxe essen und sich von niedlichen schwarzen Mädels im Dirndl bedienen lassen. Jazz, afrikanisches Getrommel und Folklore oder Straßentheater! Irgendwas ist dort immer los!

Am Nelson Mandela Gateway gehen die Boote in Richtung Robben Island ab. Auf Robben Island war Nelson Mandela 27 Jahre gefangen. Man muss die Touren vorher reservieren und mit einer Wartezeit von mehreren Tagen rechnen (das hat bei mir leider nicht geklappt).

Nachdem Nelson Mandela am 11.2.1990aus der Haft entlassen wurde hielt er dann von dem Balkon des Rathauses an der Grand Parade seine historische Rede:

http://www.anc.org.za/ancdocs/history/mandela/1990/release.html

Der Grand Parade liegt direkt bei dem kolonialen Bau in Kapstadt: dem Castle of Good Hope.

Castle of Good Hope

Die Kolonialgeschichte Südafrikas begann 1652 mit der der Gründung einer Versorgungsstation der Vereinigten Ostindischen Kompanie durch den holländischen Kaufmann Jan van Riebeck (noch heute hat jedes Kaff in der Kap-Region eine Van-Riebeck-Straße).

Durch das Vordringen des Osmanischen Reiches in Europa wurde der Seeweg nach Asien immer bedeutender. Die Seefahrer konnten nun am Kap mit frischen Proviant versorgt werden, um bei den Seefahrern den Skorbut zu vermeiden.

Aus der Versorgungsstation wurde bald eine Kolonie, die die Ureinwohner (Khoisan) dominierte. Da man den Nutzen der Eingeborenen als Arbeitssklaven nur gering schätzte, begann man bald mit der Einfuhr von Arbeitssklaven aus Ostafrika, Indonesien und Indien.

Der Grundstein der Burg wurde zu Zeiten Van Riebecks gelegt und beherbergt heute das Western Cape Military Command. Es enthält eine außerdem Ausstellung des bürgerlichen (d.h. weißen Lebens) in Kapstadt dieser Zeit und eine kleine aber lohnende Ausstellung zeitgenössischer, moderner südafrikanischer Kunst.

Bo-Kaap

Die meisten der Arbeitssklaven aus dem asiatischen Raum waren muslimischen Glaubens oder nahmen diesen Glauben an . Nachkommen dieser Sklaven siedelten im Bo-Kaap und konnten trotz Apartheid ihre Identität waren. Der muslimische Glaube spielte bei dieser Selbstbehauptung eine wichtige Rolle. Im Bo-Kaap gibt es ein kleines, sympathisches Museum, das die Geschichte des Islam am Kap darstellt.

Wenn man im Bo Kaap immer den Berg hinauf steigt kommt man irgendwann an einen Aussichtspunkt. Vor hier aus hat man tollen Blick auf den Hafen und die Tafelbucht.

District Six

Um die Dominanz der weißen Bevölkerungsminderheit festzuschreiben, wurde im Lauf des 20.Jahrhunderts das System Apartheid durch eine Reihe von Gesetzen geformt. Grundlage bildete die Aufteilung in vier Kategorien: Schwarze, Weiße, Coloured und Asiaten. 1950 wurde dann der Group Areas Act erlassen. Dieses Gesetz war die Grundlage ganze alte, gewachsene Stadtviertel zu entvölkern und nieder zu reisen.Dafür wurden nach Rassen getrennt irgendwo weit außerhalb Townships gegründet und die Menschen dorthin verbracht: ohne Rücksicht wurden Menschen entwurzelt, Freunde und Familien auseinander gerissen.

District six war ein multi-kultureller Stadtteil direkt östlich des Stadtzentrums.60.000 Menschen lebten dort in einer bunten Gemeinschaft. Das war den Apartheidsideologen ein Dorn im Auge. Die Weißen sollten im Stadtzentrum unter sich bleiben. 1966 wurde das Gebiet als "For whites only" erklärt und die Menschen zwangsumgesiedelt und die Häuser dem Erdboden gleich gemacht!

Besonders empfehlenswert auf der Seite des District Six Museums: Stans Walk. Ein virtueller Rundgang durch den District Six.

District Six Museum: http://www.districtsix.co.za/

Townshiptour

Natürlich habe ich auch eine der geführten Touren durch ein Township der Schwarzen gemacht. Das Township Langa liegt relativ nahe an Kapstadts Zentrum und ist eines der ältesten Townships der Kapregion. Überhaupt war das Township etwas von Touristen überlaufen. So rechte Expeditionsstimmung wollte nicht aufkommen.

Das Township wurde 1927 12 km südöstlich von Kapstadt ursprünglich für 850Personen gebaut, 1989 umfasste dieses bereits 16.500 Einwohner. Nach aktuellen Schätzungen sind es jetzt über 80.000. Es daher eher ein kleines Township. Das größte der Kapregion ist wohl Khayelitsha mit knapp einer Million Einwohner.

Es gibt reguläre Bewohner, die in zweiräumigen Steinhäusern wohnen, und "informal inhabitants", die in Bretterbuden am Rande des Townships hausen. Darüber hinaus gibt es noch die früheren Hostels für Wanderarbeiter. Diese wurden renoviert und es wohnen nun ~nur~noch drei Familien in einem Raum. Die regulären Bewohner zahlen Miete, Wasser und Stromversorgung ist aber für alle Bewohner frei. Die Häuschen wurden oft von Ihren Bewohnern vergrößert und verschönert: Saubere frisch renovierte Häuschen mit einem Auto davor! Es gibt eine augenfällige soziale Schichtung im Township!

Im Township Langa gibt es auch eine Tradition des politischen Widerstands und Engagement. Im März 1660 wurde wie in Sharpeville gegen die rigiden Passgesetze für Schwarze protestiert. Tausende von Menschen verbrannten öffentlich ihre Pässe. Die Polizei eröffnete das Feuer. Es gab viele Tote und Verletzte.

Links zum Thema:

http://www.capetown.at/heritage/history/apartheid.htm

http://www.bizme.de/Infozentrum/Dokumentation/Township/township00.htm

http://www.spiegel.de/reise/staedte/0,1518,215502,00.html

http://www.aichberger.de/18-1_Khayelitsha.htm

Fotogalerie Südküste


Kap-Halbinsel und Overberg


Kap der Guten Hoffnung und False Bay

Von Kapstadt ging es dann aufs Rad in Richtung Kap der Guten Hoffnung. Der Plan war über den Chapmans Peak Drive immer entlang des Atlantiks zum Kap zu kommen.

Ursprünglich wurde das „Kap der Guten Hoffnung“ „Kap der Stürme“ genannt (erst später fürchtete man um den „guten Ruf“ des gerade neu entdeckten Weg nach Indien und nannte es Kap der Guten Hoffnung). Diesem Namen machte es auf meiner Fahrt alle Ehre: Wolken, Regen, Kälte, Südwind! Man konnte sich gut in Haut der armen Seefahrer hinein versetzen, die gebeutelt von Wind und Regen, dagegen ankämpfen vom Sturm an die Südküste gedrückt zu werden.

Den Regen und kalten Wind im Gesicht kämpfte ich ich mich, gegen die Unbill des Wetters trotzend, in Richtung Süden. Um die 3000 Wracks liegen vor dem Kap. Ein Schicksal, das mir zum Glück erspart blieb. So fuhr ich also mit hochgeklappten Kragen und eingezogenem Kopf an der Atlantikküste aus Kapstadt hinaus.

In Camps Bay soll man an schönen Tagen die schönsten Körper Kapstadts bewundern können. An diesem Tag war das nicht so! Außer einigen vermummten Hundebesitzern und Joggern war der Strand leer.

In Hout Bay hatte ich dann meinen ersten Township-Kontakt. Da war mir schon etwas mulmig, wenn man die dramatischen Berichte im Kopf hat, von Weißen, die in schwarze Townships geraten, und auf wundersame Weise, den wilden Horden dort entkommen. Anyway, ich bin mit meinem Rad auf meiner Reise an mehreren großen Townships vorbeigefahren. Ich hatte nie irgendwelche Probleme. Die Leute waren freudig-überrascht oder auch gleichgültig, aber zu keinem Zeitpunkt konnte ich irgendwie Aggression wahrnehmen. Andererseits habe ich an/in den Townships nie länger angehalten, dazu hatte ich die Nerven einfach nicht, so dass es nie zu einem längeren Kontakt kam.

In Hout Bay fing es dann erst richtig an zu schütten, an ein Weiterfahren war erst mal nicht zu denken. Außerdem war auch noch der Chapmans Peak Drive, eine wild romantische, in die Steilküste geschlagene,Straße wegen Steinschlagschäden gesperrt. Ich musste mir also eine Alternative überlegen und da kam nur eine in Frage: über das Constantia Neck, Richtung Muizenberg nach Simons Town. Insgesamt länger, steiler, nasser und mit viel mehr Verkehr als ich mir das vorher vorgestellt hatte.

In Simons Town machte ich Station, um von hier aus das Kap zu erkunden. Von Simons Town an das Kap und zurück ist ein gemütlicher Tagestrip.

Von Simons Town ging es dann immer an der False Bay entlang auf dem Baden-Powell Drive Richtung Gordons Bay. Wenn die Straße dann die Küste in Richtung Figrove verlässt, kann man den Township Khayelitsha überblicken. So weit man schauen kann, ein Meer aus Bretterbuden!

Ein paar Kilometer weiter dann wieder heile, weiße Welt: die aufgeräumten Badeorte Strand und Gordons Bay.

Overberg

Von Gordons Bay ging es dann an der Südküste weiter. Sobald ich aus dem Großraum Kapstadt gekommen war, wurde auch der Verkehr weniger. Nur der Wind, der mir hartnäckig ins Gesicht blies, hätte noch mein Vergnügen trüben können. Ich bin halt langsamer voran gekommen. Es gibt schöne Unterkünfte in allen Kategorien in jedem kleinen Städtchen. So bin ich gemütlich gefahren und habe viele Pausen gemacht.

In Kleinmond gibt es einen wunderschönen Campingplatz mit Blick aufs Meer. Dort habe ich mit vielen Südafrikanern das Wochenende verbracht und habe die Gastfreundschaft einer farbigen Familie genossen. Sie hatten offensichtlich Mitleid dem „einsamen Reisenden“ in seiner Hundehütte, der sich noch nicht mal ein Auto leisten kann und mit dem Fahrrad fahren muss:). Wir haben uns natürlich über die Rugby-Weltmeisterschaft, die kommende Fussball-Weltmeisterschaft unterhalten, aber auch über Politik: in Südafrika steht eine Präsidentschaftswahl an und im ANC wird über ihren Kandidaten gestritten (der dann ja ziemlich sicher auch Präsident wird).

Mittlerweile wurde ja Zuma nominiert. Dass dieser etwas seltsame Populist den alten Präsidenten Mbeki so deutlich aus dem Rennen hatte werfen können, überrascht mich eigentlich nicht wirklich. Mein Eindruck war, dass zwar de jure die Apartheid abgeschafft wurde. Die Lebenswelten der Schwarzen, Farbigen und Weißen sind immer noch weitestgehend getrennt. Dafür scheint einfach die ungleiche Verteilung von Besitz und Ausbildung zu sorgen.

Dazu kommt noch, dass Südafrika für viele Schwarze aus den Anrainerstaaten anziehend wie das gelobte Land wirkt! Südafrika hat ein massives Immigrantenproblem!

Während der Fahrt hatte ich immer nach Walen Ausschau gehalten, aber bis dahin hatte ich leider keine gesehen und ich hatte fast schon die Hoffnung aufgegeben. Das änderte sich aber als ich nach Hermanus an die Küste kam.

Dort kommen die Wale regelmäßig bis an die Küste und man kann diese Riesen gut vom Land aus beobachten.Es ist fast als würden die Dicken bezahlt, für die Show,die sie den Leuten bieten: Tauchen, Blasen, Planschen und Springen.

Nach Hermanus habe ich die Küste erstmal verlassen, um im Landesinneren der R62 zu folgen. Auf dem Weg dorthin habe ich in den hübschen Städtchen Bredasdorp und Bonnievale übernachtet.

R62


Die R62 führt von Montagu bis Outdshoorn durch die Kleine Karoo (Kuru bedeutet in der Khoi-Sprache trocken und widerstrebend), eine Art Halbwüste, die aber immer wieder von fruchtbaren Tälern durchzogen wird.

In Montagu kann man wandern, klettern und ist hübsch in einem Tal umgeben von Bergen gelegen. Sehenswert sind auch die schönen Häuser im victorianischen Baustil. Mitten im Dorf liegt ein Weiher mit zwei Bäumen daneben. In diesen Bäumen hat sich eine ganze Kolonie von wilden Vögeln eingenistet. Ein Typ: besser man wechselt die Straßenseite; nicht drunter durchgehen:-)!

Wenn es eine Erkenntnis gibt, die ich auf der R62 gewonnen habe, dann die: Südafrika ist groß und menschenleer. Meine Zwischenstationen Barrydale, Ladismith und Calitzdorp  liegen zwar so, dass die Etappen nie länger als 80km sind, aber dazwischen gibt es kaum mehr als Straße, Zäune, Farmhäuser und grandiose Weite und Panoramen.

Oudtshoorn ist für seine Straußenfarmen berühmt. Es gibt wohl nirgends in der Welt eine größere Straußendichte wie in dieser Stadt!

Ich habe mich von Oudtshoorn auf den Swartenbergpass hochfahren lassen und bin dann mit dem Fahrrad 60km von 1600 auf 500m abgefahren. Unterwegs kann man die Cango Caves, ein System beeindruckender Tropfsteinhöhlen, besuchen.

Garden Route


Von Oudtshoorn bin ich über den Robinson Pass Richtung Mossel Bay gefahren. Zu erst lang ansteigend hoch auf den Pass mit dann eine grandiose Aussicht und lange Abfahrt zur Küste hinunter.

Mossel Bay ist ein hübsches, aufgeräumtes Küstenstädchen und ein beliebter Strand für Surfer. Auf der Garden Route ist nun die auch die Vegetation wieder reicher und grüner geworden. Dies erklärt auch den Namen: im Vergleich zur versteppten Landschaft der kleinen Karoo erscheint einem der Küstenabschnitt üppig wie eine großer grüner Garten.

Von Mossel Bay ging es mit einem Stop-Over in George über die Seven-Passes-Road nach Knysna und dann schließlich zu meiner letzten Station in Plettenberg Bay.

Von Plettenberg Bay ging es dann mit dem Bus zurück nach Kapstadt zum Anfang und dem Ende meiner Reise.